Freitag, 1. November 2013


Rudolf Seitz und die Schule der Phantasie

Von Maria Montessori haben wir die Übungen des täglichen Lebens übernommen, das Giessen und Schütten, das Löffeln und das Sortieren, die Ordnung und die vorbereitete Umgebung.

Rudolf Seitz verdanken wir die Ideen zur ästhetischen Elementarbildung. Die ästhetische Elementarbildung will die Sinne fördern und ausbilden. Das Wort Ästhetik kommt vom griechischen aistehtos und bedeutet wahrnehmbar.

Durch die ästhetische Elementarbildung lernen die Kinder viele Materialien kennen, erfahren Grenzen und Möglichkeiten, lernen Werkzeuge, ihre Verwendung und Wirkung kennen und fördern bei all dem die Feinmotorik der Hand. Sie ermöglicht den Kinder Erfahrungen, die sie auf dem Weg zur Selbständigkeit unterstützen, sie sicherer machen und ihnen helfen, sich zurechtzufinden.

Wir stellen den Kindern oft Materialien zur Verfügung, die sie selbst erforschen und erproben können und lassen sie selbst entscheiden, wie sie mit dem Material umgehen wollen und lassen sie eigene Entdeckungen machen. Manchmal kommen wir durch diese Einstellung ein wenig in Konflikt mit Frau Montessori, die alle ihre Übungen erst nach einer kurzen Einführung an die Kinder übergibt, wir hoffen, sie verzeiht es uns. Oft sind wir Erwachsenen durch unsere Erfahrungen versucht, die langen Teststrecken der Kinder abzukürzen und lehren sie den Umgang mit Dingen, die sie eigentlich selbst entdecken könnten. Kreativität braucht viel Zeit, Spiel- und Experimentierbereitschaft, sie erfordert Neugier, Geduld, Zuneigung und auch eine grosse Portion Humor. Humor ist, wenn man trotzdem lacht.

Mit Spielen möchten wir die Kinder zu bewussterem Sehen, Tasten, Schmecken und Riechen anregen. Die verschiedenen Mal-, Werk- Basteltechniken sollen ihnen die Türe zu ihrer Kreativität öffnen und ihnen helfen, ihre Phantasie auszuleben. Meistens sind die Kinder mit Begeisterung und Freude bei der Sache und blicken stolz auf ihre Ergebnisse.

Oft blicke ich mit einem weinenden Auge auf unsere ersten Bastelgruppen zurück, die wir mit Kindergartenkindern durchführten. Ei, was wurde da gewerkelt, gebastelt und erfunden! Die Phantasie der Kinder kannte keine Grenzen, aus Schachteln entstanden Staubsauger und Fotoapparate, aus Schlüsseln entstand ein ganzer Zoo und nicht zu vergessen, die vielen bunt beklebten Schachteln, Kartons und Dosen. Je älter die Kinder wurden, umso mehr vermissten wir ihre Ideen – ab dem Schulalter wollten (brauchten) die Kinder genaue Anweisungen, sie trauten sich fast nicht mehr, ihre eigenen Ideen einzubringen, hinterfragten jeden Schritt, „ist das richtig so?“ Da die Bastelgruppe mit meinen eigenen Kindern mitwuchs, wurden die Kinder immer älter, in der letzten Gruppe vor zwei Jahren wurden wir plötzlich mit einem unglaublichen „Produktionszwang“ konfrontiert. Die Kinder fertigten in Windeseile, fast wie am Fliessband Geschenke an, von Phantasie und Kreativität war keine Spur mehr vorhanden.

Meine Kinder sind jetzt zu gross, die Spielgruppe hat den Platz der Bastelgruppe übernommen, aber ganz tief in meinem Herzen, möchte ich die Bastelgruppe mit jungen Kindern, wieder aufleben lassen, vielleicht im Stil einer Schule der Phantasie, wie sie Rudolf Seitz zusammen mit seiner Frau in München gegründet hat.

In seinem Vorwort zum Buch „Phantasie & Kreativität“ schreibt R. Seitz: „ Denn nur phantasievolle und kreative Menschen sind auch innovativ genug, um die Probleme der Zukunft zu lösen.“ Wir möchten gerne unseren Teil dazu beitragen, die Zukunft in solche kreative und phantasievolle Hände zu legen und hoffen, ihr helft auch mit.

Bücher und weiter Informationen findet ihr auf: http://www.seitz-kreativ.de

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen